Verzinnen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Ian McBrite   
03.12.2007

Man kann nicht sagen, Verzinnen sei besser als Verspachteln, oder umgekehrt.

Jedes Verfahren hat Vor- und Nachteile. Das Einsatzgebiet der beiden Methoden lässt sich relativ leicht trennen:

Für tiefe und stark belastete Reparaturstellen, wie Kotflügelränder, Türkanten oder Scheibenrahmen ist Schwemmzinn die geeignetste Füllung. Bei großen Flächen, die lediglich eine Ausgleichsschicht brauchen, ist einem mit Kunststoffspachtel am besten geholfen.

Nur wenige Profis schaffen es in angemessener Zeit große Flächen zu verzinnen.

Um Schwemmzinn verarbeiten zu können, benötigt man Wärme. Beim Einsatz eines Brenners kann sich das Karosserieblech verziehen oder Gummiteile schaden nehmen, daher wäre ein gutes Heißluft- gebläse ideal. Der Schmelzpunkt des Blei-Zinn-Gemisches liegt bereits bei knapp 300 Grad.

Das Auftragen von Zinn will geübt sein. Es ist schwierig die Masse glatt zu streichen und ihr Kontu­ren zu geben. Ein mit Paraffin oder harz- und säurefreiem Maschinenöl getränkter Buchholzspachtel dient als Hilfsmittel.

Wichtig ist die korrekte Temperatur an der Reparaturstelle: Die zähe Masse beginnt in Klumpen aufzureißen, wenn die Temperatur sinkt. Steigt sie, fließt das Material davon.

Beim Nachlöten versprödet das Material , daher sollte im ersten Arbeitsgang schon genug Zinn auf­gebracht werden. Es kann auch passieren, dass sich beim Erwärmen das bereits aufgetragene Lot wieder verflüssigt. Um dies zu verhindern helfen Zinn-Blei-Legierungen mit unterschiedlichen Schmelzpunkten.

Ein Vorteil des Schwemmzinns ist seine unbeschränkte Haltbarkeit, ein weiterer sein Korrosions­schutz, weil es mit Blech eine feste metallische Verbindung eingeht. Daher kann Zinn in größeren Schichten aufgetragen werden. Ausserdem eignet sich Zinn sehr gut um Schweißnähte dauerhaft Rostfrei zu halten, weil es sich bei Temperaturschwankung ähnlich wie Blech verhält.

An Stellen wie diesen versagt Kunststoffspachtel. Wie bereits erwähnt eignet sich die Methode des Verspachtelns für den Aufbau mehrerer Schichten auf großen Flächen. Er überzeugt nicht nur durch seine schnelle und unkomplizierte Anwendung, sondern auch durch seinen Preisvorteil. Worauf Sie achten müssen, ist den Härter im richtigen Verhältnis zum Basismaterial zu mischen. Verwenden Sie zuviel Härter, hat das eine schlechte Haftung auf dem Untergrund und eine poröse Oberfläche zur Folge. Zu wenig Härter lässt die Spachtelmasse weich bleiben.

Werden Schichtstärken über zwei Millimeter aufgetragen gibt es Probleme. Die Masse beginnt nach einiger Zeit zu reißen, und die Lackschicht ebenfalls. Dann unterwandert Feuchtigkeit den Spachtel.

Anders als bei Schwemmzinn verhält sich das Kunststoffmaterial unter Wärmeeinwirkung anders als das Blech. Der Kunststoff dehnt sich stärker aus und sprengt so irgendwann den Aufbau in ganzen Platten vom Untergrund. Hinzu kommt noch das Spachtelmassen hygroskopisch ( = Wasseranzie­hend) sind. Es besteht die Gefahr, wenn über Wochen gespachtelt und geschliffen wird, dass der Lack auf einem durchfeuchteten Untergrund aufgebaut wird. Daher sollte man Spachtelmasse nicht nass schleifen.


Ein Tip für ihre Gesundheit: Zum Schleifen darf keinesfalls ein schnelllaufendes Gerät verwendet werden, da die aufgewirbelten Stäube pures Blei enthalten, was Lungenschäden hervorruft.

Verwenden sie daher Handschuhe, Schutzbrille und eine Atemschutzmaske, um das Risiko zu ver­ringern.

Verzinnen:
  • Die beschädigte Stelle muss zuerst völlig blankgeschliffen und mit Silikonentferner entfettet werden.

  • Tragen Sie die Verzinnungspaste großflächig mit einem Pinsel auf und erhitzen Sie diese. Danach mit einem Baumwolltuch das Bindemittel von der Oberfläche wischen.

  • Ein Brenner erwärmt gleichzeitig das Ende des Zinnstabs und die Reparaturfläche. Tragen Sie jetzt das teigig gewordene Blei-Zinn-Lot auf das Blech.

  • Bringen Sie das Zinn mit dem Buchenholzspachtel in Form. Vergessen Sie nicht die gleichmäßige Wärmezufuhr!

  • Mit einer Karosseriefeile können Sie die Reparaturstelle in Form bringen. Arbeiten Sie beim Ab­schaben in verschiedene Richtungen.

  • Als letztes arbeiten Sie mit einem Schleifklotz nocheinmal nach. Je nach Können und Übung hat die reparierte Stelle die perfekte Form u.U. bereits im ersten Arbeitsgang.


Verspachteln:

  • Beulen Sie mit einem Karosseriehammer die Reparaturstelle aus, damit der Auftrag möglichst dünn wird.

  • Achten Sie auf die richtige Mischung von Spachtelmasse und Härter. Es gibt für jedes Einsatzge­biet spezielle Produkte.

  • Reinigen Sie die Stelle mit Silikonentferner und tragen Sie nun die Spachtelmasse auf. Um die ursprünglichen Konturen wiederherzustellen, nehmen Sie eine Gummispachtel zur Hilfe.

  • Für erste Korrekturen eignet sich eine Feile, weil sie das Material schneller als Schleifpapier ab­trägt.

  • Für den weiteren Schliff können Sie eine Maschine verwenden. Anfangs mit relativ grober Kör­nung.

  • Ist die Stelle noch fleckig tragen Sie eine weitere Schicht auf.



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Letzte Aktualisierung ( 12.08.2008 )
 

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