Thermoplastlacke PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Ian McBrite   
03.12.2007

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Die amerikanische Autoindustrie verwendet seit den 40er Jahren sogenannte thermoplastische Lacke. Diese lösten die bis dahin üblichen Nitrolacke ab, die zwar leicht zu spritzen waren und schnell trockneten, aber wegen ihrer niedrigen Schichtstärken in vielen Schichten aufgetragen und erst nach dem Lackaufbau aufwendig poliert werden mußten. Der neue thermoplastische Autolack verband mehrere positive Eigenschaften des Nitrolacks (leichte Verarbeitbarkeit und schnelle Trocknung) mit denen moderner Kunstharzfarben. Auch die Tatsache, daß Thermoplastlack nur eine Komponente hat, ermöglichte relativ einfache Lackieranlagen in den Autofabriken (keine 2k-Mischanlagen). Die relativ schlechte Lösemittelbeständigkeit ermöglichte auch eine verhältnismäßig einfache Reinigung und Farbumstellung der Lackiergeräte.
Eine interessante Eigenschaft des Thermoplastlackes ist sein eigentümlicher "Speckschwartenglanz" nach dem Trocknen. An dieser Stelle kommen seine thermoplastischen Eigenschaften zum Tragen. Um das endgültige Auspolieren des Lackes in den Autofabriken zu vermeiden, wurden die Autos nach dem Lackieren durch einen Hitzetunnel mit hunderten von Heizöfen geschoben. Durch die Hitze wurde der Lack wieder dickflüssig und bekam durch dieses "Anschmelzen" seinen endgültigen Oberflächenzustand, der nach dem Abkühlen erhalten blieb. Aus dieser Eigenschaft bezieht der Lack auch seine Bezeichnung "thermoplastisch", also "durch Wärme verformbar".

Vorteil dieses Verfahrens ist das leichte spätere Ausbessern etwaiger Schadstellen, die einfach mit dem passenden Farbton nachlackiert werden können und dann nachträglich der Farbübergang per Wärmebehandlung einer Heizsonne oder dem Poliervorgang hergestellt wird. Wer einmal mit Thermoplastlack ein Fahrzeug selber lackiert oder ausgebessert hat, wird berechtigterweise die Frage stellen, warum es überhaupt andere Autolacke gibt, weil dieser sich in der Regel hervorragend verarbeiten läßt. Die Antwort darauf ist die Aufzählung der Nachteile, die Thermoplastlack hat.

Thermoplast-Acryllacke aus den USA sind als Untergrund unter Lackierern besonders gefürchtet, insofern diese überhaupt den Untergrund auf Thermoplastlacke hin untersuchen.

Es wird teuer, wenn sich Lacksysteme nicht vertragen.

Die US-typischen Thermoplast-Acryllacke (TPA) machen neuzeitlichen Lacksystemen das Leben schwer. Der Grund dafür ist, dass jeder Thermoplastlack weich wird, wenn er sich erwärmt. Er beginnt bei höheren Temperaturen zu fließen und schließt so kleine Schäden. Daher der Name Reflow-Lack.

Der US-Lack wurde nach und nach durch fest aushärtende Einbrennlackierungen abgelöst. Bentley, Fiat, Ferrari, Rolls-Royce und Jaguar verwendeten Thermoplastlacke bis in die achtziger Jahre.

Thermoplastlackierte Fahrzeuge tragen den Buchstaben "A" vor dem Farbtoncode. Ein Drittel aller Reparaturen in den USA werden noch heute mit jenem Lack durchgeführt. Thermoplastlacke lassen sich auch ohne staubfreie Spritzkabine verarbeiten, was ein Grund dafür ist, dass viele Billiglackierer zu der veralteten Technologie greifen. Nach dem Trocknen erscheint die Lackierung matt, erst das Abziehen mit Schleifpapier und Polieren bringt den Glanz zum Vorschein. So weit so gut, doch Pro­bleme entstehen, wenn über diesem Untergrund ein modernes Lacksystem aufgetragen wird. Denn scheint die Sonne, erwärmt sich der TPA und dehnt sich aus. Wird es kälter schrumpft er wieder auf seine ursprüngliche Masse zusammen. Dieses hin und her ist unseren modernen 2K-Lacken zu viel: Es entstehen Risse und abplatzende Farbschollen. Hinzu kommen noch kleine Kratzer, die sich oft zwei Jahre Zeit lassen, um sich sehen zu lassen.

Um zu erkennen, ob es sich um einen TPA handelt, reicht ein kurzes Reiben an einer unauffälligen Stelle mit einem in Nitroverdünnung getränkten Lappen. Färbt sich der Stoff, ist es ein Thermoplast­lack. Thermoplastlacke sind nicht lösemittelbeständig, daher ist auch Vorsicht beim Tanken angesagt. Überlaufendes Benzin sollte schnellstens weggewischt werden.

Es gibt zwei Wege um einen Engländer bzw. ein US-Fahrzeug lackieren zu lassen. Der sicherste Weg ist die mechanische Entfernung der oberen Lackschicht. Denn nur diese besitzt die thermoplastischen Eigenschaften. Sie können die Grundierung und Füller auf dem Blech lassen. Zum Schleifen eignen sich grobe Papiere der Körnungen 80 bis 120. Schleifmaschinen sollten mit niedriger Drehzahl arbeiten, da sich sonst durch die Reibungswärme der TPA erhitzt und weich und klebrig wird.

Der zweite Weg ist ein chemischer Vorgang. Anbieter von Autoreparaturlacken bieten spezielle Isolierfüller an, welche den direkten Kontakt der beiden Lacke verhindern und eine gute Haftung besitzen. Es ergeben sich in der Praxis allerdings Probleme: Der Lackierer muss sorgfältig arbeiten, und darf die Schicht nicht versehentlich durchschleifen. Außerdem kann der Besitzer die Arbeit schlecht kontrollieren - im Gegenteil zum Abschleifen.

In beiden Fällen folgt der anschließende Lackauftrag nach den üblichen Regeln. Falls die alte Ther­moplastschicht noch vorhanden ist, darf der neue Lack nur bei höchstens 50 Grad getrocknet und nicht eingebrannt werden.

Am einfachsten wäre eine neue Schicht Thermoplastlack zu wählen, aber das scheint wenig sinnvoll, da TPA qualitativ schlechter und schwer erhältlich ist. Es kommt noch hinzu, dass Lackierer hierzulande kaum Erfahrung mit der Verarbeitung haben.

 

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Letzte Aktualisierung ( 14.05.2009 )
 

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